Online-Ausstellung: P-Seminar „Schmuck- und Objektgestaltung“

Projekt-Seminar „Schmuck- und Objektgestaltung – zwischen Tradition und Experiment“, 2020-22                                                      

Lehrkraft: Markus Albrecht          Leitfach: Kunst

 

Über drei Halbjahre hinweg setzten sich zehn Schülerinnen intensiv mit dem Thema Schmuck auseinander: Von den ersten Ideen, zum Entwurf, hin zur konkreten Umsetzung und eigenständigen Reflexion der Schmuck-Objekte führte der Weg, dessen Ziel – das Schmuck-Objekt – man nun hier begutachten kann.

Neben klassischen Materialien und Techniken wurden auch unkonventionelle Herangehensweisen kennengelernt und schließlich eingesetzt:

künstlerische Strategien, Fundobjekte, schmuckferne/wertlose Materialien, …

Da Corona noch immer eine normale Ausstellung verbat, stellen die Teilnehmerinnen hier ihre Arbeiten in Bild und Text vor.

Markenfetische

Dieses kleine Set besteht aus drei Schmuckobjekten, zwei enganliegenden Halsbändern und einem Paar Ohrringe und trägt den Titel „Enslaved“.

Alle drei Objekte bestehen aus schwarz gefärbtem Metall, ihre Form ist von der Gestalt bekannter Markenlogos bestimmt, die auch teils mit goldener Farbe angebracht wurden. Die Halsbänder werden von einem schwarzen Samtband zusammengehalten. Ihrer Funktion nach sollen sie um den Hals getragen werden, doch wird ihre Tragbarkeit enorm dadurch eingeschränkt, dass sie aus strarrem Metall bestehen und so eng am Hals anliegen, dass sie diesen gar verletzen könnten. Insbesondere die dolchartigen Spitzen des Markenlogos machen diesen bedrohlichen Aspekt nicht nur symbolisch überdeutlich.

Daraus folgend spiegelt das Schmuckset die möglichen Auswirkungen des Markenzwangs innerhalb unserer Konsumgesellschaft. Dazu gehören einerseits der latente Druck auf die Konsument*innen selbst, die neuesten Markenprodukte zu kaufen, aber auch auf die Produzent*innen, sprich die meist schlecht bezahlten Arbeiter*innen, die hinter jedem einzelnen Schuh, Pullover oder T-Shirt stehen.

 

 

 

 

Die Wunderlampe

Bei dieser auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkenden Lampe steht das Instrument, die Schalmei, augenscheinlich im Vordergrund.

Die acht Trichter der Schalmei sind mit Glühbirnen ausgestattet, die das Instrument zu einem Deckenfluter umfunktionieren. Um die Schalmei herum wickelt sich eine Lichterkette, unten noch eng gebunden, öffnet sie sich gemeinsam mit den Trichtern nach obenhin.

Der Fuß der Lampe ist aus Holz, eine Scheibe eines Stammes wurde fein abgeschliffen und eingelassen. Ein Objet-trouvé, also ein alter, gebrauchter Alltagsgegenstand mit Geschichte, wird kontrastreich mit einem Holzklotz, also einem Stück roher Natur konfrontiert. Reizvoll treten sich runde Formen, heterogene Materialien und die damit verbundenen Anmutungen gegenüber.

Die Schalmei war vor allem in der DDR von großer Bedeutung, jede Gemeinde hatte eine Schalmeinenkapelle. Musik ist wichtig, das wusste auch die Partei.

Mit diesem Objekt soll nicht nur auf Udo Lindenberg mit seiner Schalmei und die Zensur von West-Musik in der DDR angespielt werden, es zeigt auch, wie wichtig Musik ist – sie kann Licht ins Dunkle bringen. Die Lichterkette kann als Stacheldraht-Äquivalent an der Mauer der DDR gelesen werden. Die Schalmei leuchtet, obwohl sie in Stacheldraht gefangen ist. Die Lichterkette kann aber auch als Klang gedeutet werden, Noten, die um das Instrument herumschwirren. Selbst ein Instrument, das so gewöhnungsbedürftige Töne von sich gibt, wie die Schalmei – oder Martinstrompete, bringt Hoffnung, Freude und Zusammenhalt.

 

 

 

Linearer Schmuck aus Draht

Der Kopfschmuck ist am besten für festliche Anlässe geeignet, die übrigen Schmuckstücke können jedoch auch im Alltag getragen werden, da der Schmuck durch den verwendeten Aluminiumdraht sehr leicht ist. Die Teile können auch miteinander getragen werden, man hat also viele Kombinationsmöglichkeiten.

Das Erscheinungsbild der Schmuckstücke ist sehr filigran und edel, farblich sind sie aufeinander abgestimmt. Eine Person wirkt mit diesem Schmuck nicht nur elegant, sondern zeigt auch Naturverbundenheit. Diese entsteht durch die Motive der Schmetterlinge, Blumen und des Wassers, welche eine lebendige Natur symbolisieren. Die Bewegungen der Schmetterlinge am Haarreif, die scheinbar dem Kopf des Trägers entspringen, zeigen ebenfalls diese Naturverbundenheit.

Natur entsteht augenscheinlich durch den Träger: aus seinem Ohr fliegen Schmetterlinge und aus seinem Kopf heraus sprießen Blumen und Blätter, als wäre er der Ursprung dieses Lebens.

 

 

 

Schmuck aus Bein

Die Schmuckstücke sind aus „Bein“, konkret dem Oberschenkelknochen eines Rindes, und silbernem Draht sowie Ketten hergestellt. Bei dem Kettenanhänger und dem Armband wurde die natürliche Form des Knochens weitgehend beibehalten. Die verwendeten Materialien kontrastieren miteinander, da der Knochen organischen Ursprungs ist und der Metalldraht und die Ketten industriell und menschengefertigt sind. Bein als Material für Schmuck hat eine lange Tradition. Weniger edel als das verrufene Elfenbein, lässt es sich wegen seiner Dichte jedoch ebenso polieren. Aus dem stark mit Vergänglichkeit assoziierten Material, können so haltbare, ästhetisch ansprechende Stücke werden. Mit längerem Tragen werden sie sich langsam verfärben und einen honigfarbenen Ton annehmen, da sie Öle und Fette der Haut absorbieren.

Der Schmuck wandelt sich also, passt sich dem Träger an und wird dadurch auf eine ganz direkte Art zu etwas Eigenem und zugleich einzigartig.

 

 

 

Schuck aus Epoxidharz

Bei meinem Projekt habe ich mich hauptsächlich an den Jahreszeiten orientiert und mich von deren Farben und den jeweils typischen Stimmungen inspirieren lassen.

Ich habe dabei, neben meinen Grundelementen Draht und Epoxidharz, auch mit organischen und natürlichen Materialien gearbeitet, sowie mit geometrischen Formen und kräftigen Farben experimentiert. Der Schmuck sollte zunächst zierlich und alltagstauglich gestaltet werden. Mit der Zeit habe ich mich aber auch an auffälligeren und interessanteren Modellen versucht. Die Schmuckstücke sollen den farbenfrohen und lebendigen Frühling mittels eingegossener Blumen und kräftigen Farben widerspiegeln, sowie die natürlichen Elemente des Sommers durch Materialien wie Sand, Muscheln und organische Formen. Letztere Schmuckstücke besitzen eine hellere Farbgebung und strahlen eine gewisse Unbeschwertheit aus. Die Vergänglichkeit des Herbstes wird etwas abstrakter mithilfe von Zahnrädern, die in simplen Formen eingegossen sind, sowie dunkleren Farbtönen gezeigt. Hierbei verweisen die Zahnräder auf die „Jahresuhr“, die im Herbst spürbar voranschreitet. Die angewandten Materialien sind weder natürlich, noch organisch. Die metallischen und beinahe rostigen Elemente verleihen dem Gesamtbild eine eher melancholische Wirkung. Die Darstellung sollte minimalistisch und auf einfachere Formen reduziert werden. Auf unnatürliche Materialien und eine abstrakte Darstellung habe ich auch bei den Schmuckstücken gesetzt, die vom Winter inspiriert waren. Die größtenteils hellen Farben sollen die Frische und Kühle der Jahreszeit verkörpern. Die Kombination aus silbernem Schmuckdraht und weißen Perlen soll hier wiederum eine eher elegante Wirkung haben.

Da Schmuck in den meisten Fällen keine bestimmte Pragmatik erfüllt, ist dieser Aspekt in meinem Projekt nicht besonders betont. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Ästhetik und Symbolik.

 

 

 

Transformation von Materialien und Wertigkeiten

Diese Kollektion besteht aus einem kleinen Ring und einem Ornament, welches einem Insekt ähnelt. Inspiriert wurde das Projekt von den Amuletten und Symbolen des alten Ägyptens.

Hierbei sollten die damals typischen Materialien und Farben durch modernere imitiert werden. Das damals typische Blau des Lapislazuli-Steins ist hier z.B. mit blauen Plastikdeckeln dargestellt. Und das im alten Ägypten verwendete Gold, welches als heiliges Metall galt, ist in diesem Projekt nur einfaches Kupferblech. Zudem finden sich auch typische Symbole und Hieroglyphen des alten Ägyptens wieder. Das gesamte Konzept des Insekts ist am Skarabäuskäfer, Zeichen für ewiges Lebens, angelehnt. Die Augen des Insekts sollen an das Horusauge, welches damals als Schutzzeichen von großer Bedeutung war, erinnern.

Das Projekt soll zeigen, dass vieles im Laufe der Zeit seinen Wert und seine Bedeutung verlieren kann. Damals waren Farben, Materialien und Zeichen mehr als nur Symbole. Ihnen wurden regelrecht magische Kräfte zugeschrieben. Sie hatten einen sehr großen Wert, welcher über den rein materiellen weit hinaus ging. Dies ist, nebenbei bemerkt, ein zentrales Merkmal des Phänomens „Schmuck“.

Heutzutage fehlt dieser spirituelle Überbau wenn es um die Herstellung und den Gebrauch der meisten Dinge geht. Alles soll schnell, günstig und massenhaft verfügbar sein. Deshalb habe ich versucht diese beiden verschiedenen und weit entfernten Welten zu vereinen. Die Objekte bestehen zwar aus einfachen Materialien, doch sie beinhalten Symbole, denen eine spirituelle Bedeutung zugeordnet werden kann.  Die Dinge erhalten nur den Wert, den wir ihnen zuschreiben. Das kann uns veranlassen, über unsere Werte nachzudenken…

 

 

 

NATUR und KUNST-Stoff

Diese Kollektion besteht aus drei Beistelltischen. Die Tischplatte besteht aus einer hohlen Baumscheibe mit Epoxidharz im Inneren, das mit blauen Effekten differenziert wurde. Die Scheiben sind ganz oder nur teils mit Epoxidharz ummantelt. Die hölzernen Beine der Tische sind organisch geschwungen und greifen wie Wurzeln oder Äste ineinander und verleihen somit dem Tisch eine besondere Stabilität.

Es ist ein Versuch, totem, hässlichem und vom Borkenkäfer befallenen Holz eine positive Ästhetik zu verleihen, den Zustand realistisch zu konservieren und zu einem neuen, gestalterisch ansprechenden Gesamtobjekt zusammenzufügen, das nicht nur einen symbolischen sondern auch praktischen Charakter aufweist.

Die gestalterischen Eingriffe sind so begrenzt, dass die Natürlichkeit des Materials und des Baumstammes weiterhin erhalten bleibt. So ist die Tischplatte nicht immer ganz gerade und man sieht Holzverfärbungen statt der schönen Oberfläche eines gesunden Holzes.

Die Vergänglichkeit der Schönheit und des Lebens eines Baumes stehen hierbei im Mittelpunkt. Schönheit liegt eben nicht in der Perfektion sondern auch in der Individualität und Natürlichkeit. Ganz unter dem Motto: „In der Natur ist nichts richtig gerade, aber genau richtig.“

Das Innere, das zuvor morsch war, wurde nun zu einem echten Hingucker: Die blaue Mitte wirkt fast wie ein mit Wasser gefüllter Teich. Durch die Farbverläufe, Glitzerpigmente und den Einfall des Lichts gewinnt die Mitte an Transparenz und der Betrachter wird von der geheimnisvollen Stelle wie magisch angezogen. Er sucht das womöglich zwischen den Steinen Verborgene. So gewinnt die eigentlich flache Scheibe an Plastizität und unendlicher Tiefe. Dies steht im Kontrast zu den Makeln des vergänglichen Nadelholzes ringsum. Die Füße des Tischs können sowohl als Äste einer Baumkrone (mit welchen man Prächtigkeit, Offenheit, aber auch leichte Erreichbarkeit assoziiert), oder als Wurzeln (mit welchen man Stabilität, Halt und „Unten“ assoziiert) interpretiert werden.

Unten oder oben, Tod oder Leben, Vergänglichkeit oder Unendlichkeit, Natürlichkeit oder Schönheit – dieser Tisch setzt die Dimensionen des Lebens in Szene.

 

 

 

Phantastischer Schmuck

Das Schmuckset besteht aus einem Diadem, einem zweiteiligen Ohrschmuck und zwei Ringen. Die Schmuckstücke sind einfach, aber filigran gestaltet. Ihre Farbgebung ist schlicht im Kupfer des Drahts und dem silbrigen Grün der schimmernden Perlen gehalten.

Das Filigrane der Form sowie die farbliche Gestaltung entsprechen in der Vorstellung der Symbolik von Feen, welche die Inspiration für das Schmuckprojekt war.

Alle Linien und Formen sind dynamisch und fließend; es gibt keine 100% geraden Linien, alles ist in Bewegung.

Life goes on!

 

 

 

Objektdesign

Die Skulpturen sind ca. 40 cm bis 55 cm groß und besitzen jeweils ein Basiselement aus Holz. Darauf beziehungsweise darin befindet sich je eine Kugel, die von vielen kleineren Metall-Dreiecken umgeben ist und von dünnen Stäben gehalten wird. Bei der Gestaltung wird vor allem mit Grundformen wie Dreiecken, Vierecken und Kreisen gearbeitet, wobei sich die dreiecksförmigen Ausschnitte aus dem Holz in den Metallstücken widerspiegeln und so für ein Zusammenspiel der beiden Teile sorgen. Durch die verschiedenen Materialien stellen das Holz, als Naturmaterial, und das Metall jedoch auch einen Kontrast zueinander dar. Generell sollen die ersten beiden Skulpturen eher Disharmonie und die letzte Harmonie darstellen. Dies wird vor allem an der Lage der Kugel auf den Zacken deutlich. Zusätzlich werden in diesem Zuge auch rote Farbakzente gesetzt. Die Kugel mit den Metallteilen erinnert außerdem an die Erde und steht symbolisch für den Menschen.

So stehen die ersten beiden Skulpturen für den Menschen, der nicht im Einklang mit seiner Umgebung ist, die dritte Figur hingegen für das Gegenteil davon.

 

 

 

Schutzschirm aus Licht

Das Kunstobjekt stellt eine androgyne Person dar, die einen Regenschirm über sich hält. Aus diesem fällt helles Licht auf sie, welches im Kontrast zum schwarzen Lack auf der gesamten Skulptur steht.

Durch ihre menschliche Gestalt ist die Figur selbst sehr organisch geformt, dem gegenüber steht der industriell gefertigte Regenschirm und das Polyesterharz als Hauptmaterial. Die gesamte Skulptur strahlt durch zahlreiche senkrechte Linien – wie die der Beine und Arme, die senkrechte Körperhaltung oder auch die Stange des Regenschirms – eine gewisse Statik aus, die durch die ruhige Pose, den stabilen Kunststoff und den leeren Gesichtsausdruck zusätzlich verstärkt wird.

Der von Dunkelheit und somit in gewisser Weise von Leere umgebene Mensch steht einsam und isoliert. Das Licht im schützenden Regenschirm dagegen symbolisiert das Gute, wie Frieden oder Hoffnung. Die Person ist isoliert von ihrer Umwelt, jedoch von Unbill geschützt durch ihren Schirm. Hat sie Angst vor der Außenwelt und bleibt in ihrer gewohnten friedlichen Umgebung…?